Unter diesem Motto lud die Parti Ouvrier Indépedant démocratique (POID) am 4. Juni in Paris zu einer internationalen Konferenz ein.
Aus Deutschland nahm Andreas Gangl an dieser Veranstaltung teil.
Seine Rede hier im Wortlaut:

Liebe Kolleg*innen, liebe Genoss*innen,

Ich bin Andreas Gangl, ver.di-Vertrauensmann und Mitglied der Streikleitung bei Amazon Bad Hersfeld, ich bin Mitglied im ver.di-Bundesfachbereichsvorstand Handel, Vorsitzender des Landesfachbereichsvorstandes  »ver.di-Handel« in Hessen, bin im Komitee der »Amazon Workers International« (AWI), war Teilnehmer an der Offenen Weltkonferenz gegen Krieg und Ausbeutung im Oktober 2022 in der Nähe von Paris.

Die gemeinsame Losung von AWI, der Amazon-Beschäftigten weltweit, lautet: »gegen Krieg und Ausbeutung«. Und wir fügen hinzu: Gegen befristete Beschäftigung.

Wir haben uns in AWI als Arbeiter von Amazon selbständig organisiert und uns eint der Kampf gegen Krieg und Ausbeutung, verbunden mit dem Kampf gegen prekäre Beschäftigung, d.h. mit dem Kampf für reguläre, unbefristete Arbeitsverhältnisse, auf Basis eines Tarifvertrags, garantiert durch die Gewerkschaft.

Diese Losungen der Kolleginnen und Kollegen in Europa einschließlich Türkei, den USA (wir knüpfen Kontakte nach Indien) sind unverzichtbar, weil wir in all unseren Ländern mit derselben Situation konfrontiert sind: Wir sind Zeugen gigantischer Milliardenaufrüstungen, die die Regierungen in die Kriegswirtschaft pumpen.
»Gegen Krieg und Ausbeutung« richtet sich gegen diese Regierungen und ihre Programme, die zugleich Programme der massiven Angriffe auf unsere Errungenschaften als Arbeiter sind: von 2000 bis 2021 sank in Deutschland der Anteil der Werktätigen, die von einem Tarifvertrag geschützt sind, von 68 % auf 52 %.
Da, wo ich herkomme, ist der Anteil niedriger, insbesondere durch den hohen Anteil von Logistik und dem Vormarsch prekärer Beschäftigung. Wir haben zugleich ein Rekordhoch der Kinderarmut von 21,3 %! 28,1 % der über 65-Jährigen sind armutsgefährdet!
Die Kriegshaushalte führen zum Ruin der öffentlichen Dienste, zu Inflation, Reallohnverlusten Senkung der Kaufkraft. 2022 sanken bei uns die Reallöhne im 3. Jahr in Folge. Zuletzt um 4% und 2023 wird angesichts der aktuellen Inflation für Nahrungsmittel von 17,2 % für Energie von 21,1 % die Situation dramatischer.

Nachdem Macron die Axt an das Rentensystem gelegt hat, verschärft sich in Deutschland die Forderung nach der Rente mit 70 durch bürgerliche Parteien und Kapital.

Gleichzeitig häufen die Multis ungeheure Profite an.

Die Abschlüsse von IG BCE, IG Metall, ver.di bei Post und ÖD bedeuten Reallohnverlust.

Abschlüsse beinhalten eine »Inflationsprämie«, die nicht in die Lohntabellen einfließt und so die spätere Rente reduziert. Sie hat die Regierung Scholz im Rahmen der »Konzertierten Aktion« eingebracht.

Konzertierte Aktion heißt: Regierung, Kapitalisten und Führung der Gewerkschaften schließen einen Pakt.

n Er höhlt die Tarifverträge aus: es gibt Geld, das nicht in die Tarifverträge einfließt. D.h.: trotz Inflation gibt es in den Tarifverträgen bis zu 14 Monaten eine »Nullrunde« – d.h. keine Steigerung des Tariflohns.

n Er »schenkt« dem Kapital die Sozialversicherungsbeiträge (vorenthaltener Lohn!) und geht zu Lasten der Kranken- und Rentenversicherung…

Die Konzertierte Aktion ist die aktuelle Form der Heiligen Union / des Burgfriedens angesichts des Krieges. Das Hauptproblem, mit dem wir konfrontiert sind, ist, dass die Führungen unserer Organisationen diese Politik unterstützen.

Dieser Kurs führt die Arbeiterklasse in die zunehmende Verarmung. Und auch in Hinblick auf die Klimakatastrophe und den Krieg müssen wir die »Systemfrage« stellen, denn Regierungen vertreten nicht die Interessen der Arbeiter, sondern nur die des Kapitals.

Wir müssen uns zurückbesinnen auf den Kampf für den Sozialismus!

Was tun?

Wir brauchen jetzt, in jedem Land den Kampf dafür, dass die Führungen unserer Organisation mit dem Kurs dieser Unterordnung unter die Interessen des Kapitals und die Vorgaben der Regierungen brechen. Auf der Tagesordnung steht in jedem Land der Kampf für den Aufbau von authentischen und unabhängigen Arbeiterparteien, die allein die Interessen der abhängig Beschäftigten vertreten. Und als Werktätige, die sich selber international zusammenschließen, sagen wir, dass dieser Kampf verbunden sein muss mit dem Kampf für den internationalen Zusammenschluss im Rahmen einer Arbeiterinternationale.